Individuellere Versorgung beim Gelenkersatz – was bringt sie?
Eine im Jahr 2008 durchgeführte qualitative Umfrage1 unter deutschen Arthrose-Patienten zeigte, dass sich die meisten Betroffenen vor allem eines von einem neuen Gelenk erhoffen: Wieder ohne Schmerzen aktiv sein zu können. Allerdings sind die Ansprüche an die Mobilität höchst unterschiedlich. Während ältere Patienten meist schon damit zufrieden sind, wieder selbständig einkaufen gehen zu können, wollen jüngere Patienten weiterhin Sport treiben. Welche Anforderungen stellen diese Bedürfnisse an moderne Endoprothesen?
Bewegung hat eine unbestrittene gesundheitsfördernde Wirkung2 – Arthrose kann in späteren Stadien aber so starke Schmerzen verursachen, dass sie die Beweglichkeit oft empfindlich einschränkt. Was leistet hier die Versorgung mit Endoprothesen? Die Implantation einer modernen Endoprothese kann helfen, diesen Kreis zu durchbrechen: Sie kann betroffenen Menschen ihre verlorene Beweglichkeit zurückgeben und sie vor einem Leben in Abhängigkeit und Passivität bewahren. Gerade die steigende Zahl derer, die noch vor dem 60. Lebensjahr auf einen Gelenkersatz angewiesen sind, stellt hohe Ansprüche an ein künstliches Gelenk. Diese Patienten sind nicht nur aktiver als ältere, sondern führen ihre Bewegungen in der Regel auch kraftvoller und schneller aus. Die Belastung des neuen Gelenks kann bei ihnen auch entsprechend höher ausfallen. Hinzu kommt, dass die Betroffenen im Gegensatz zu früher die krankheitsbedingten Einbußen an Beweglichkeit und Lebensqualität oft nicht länger hinnehmen wollen.
Auf Grund dieser veränderten Bedürfnisse hat sich bei der Implantation künstlicher Gelenke mit der Zeit ein Strategiewechsel vollzogen. Wie geht man heute im Vergleich zu früher vor? Bis vor einigen Jahren wurden hauptsächlich verhältnismäßig große Kunstgelenke implantiert und mit Zement fest verankert. Inzwischen versteht man besser, dass eine Verbindung zwischen künstlichem und natürlichem Material, also eine Verbindung zwischen Endoprothese und Knochen, nicht beliebig lange haltbar ist und dass bei jeder Implantation auch der spätere Wechsel mit bedacht werden muss. Heute setzt man daher eher kleinere Prothesen ein, die dank ihrer innovativen Oberflächen auch ohne Zement auskommen können. Durch das knochensparende Design wird so mehr Knochen für mögliche Wechseloperationen erhalten, die auf Grund der zunehmenden Zahl jüngerer Patienten sowie der gleichzeitig steigenden Lebenserwartung immer häufiger notwendig werden.
Die Versorgung einer kranken Hüfte mit einer Endoprothese hat inzwischen ein hohes Niveau erreicht: 95 Prozent der eingesetzten Hüftimplantate funktionieren nach zehn Jahren noch3, 75 Prozent müssen auch nach 26 Jahren noch nicht ausgetauscht werden4. Kann die Versorgung überhaupt noch verbessert werden? Ja, zum Beispiel bei der Auswahl der richtigen Prothese, besonders wenn schwierige anatomische Verhältnisse berücksichtigt werden müssen. Je besser die Prothese an die individuelle Gelenksituation des Patienten angepasst ist, je knochensparender sie implantiert wird und je besser sie den Bedürfnissen des Patienten entspricht, desto eher wird der Patient auch auf lange Sicht mit dem Ergebnis zufrieden sein. Bei der Weiterentwicklung der Endoprothetik zielt man deshalb heute auf eine noch exaktere Rekonstruktion der anatomischen Verhältnisse. Denn: Selbst kleinste Veränderungen an den Größen- und Winkelverhältnissen des Implantats haben Auswirkungen auf das Kräfteverhältnis am Hüftgelenk. Auf Dauer kann eine nicht optimale Versorgung unter Umständen zu einer größeren Beanspruchung und damit zu einem schnelleren Verschleiß führen. Eine exaktere anatomische Rekonstruktion ist deshalb ein Beitrag für noch mehr Beweglichkeit und noch längere Standzeiten.
Im Text genannte Implantationszahlen entsprechen Branchenangaben.
- Data on file at Zimmer.
- Froböse I, Wallmann B, Stolz A. 1.Ergebnisbericht der Interventionsstudie „3000 Schritte mehr am Tag“ 2007.Online publiziert unter: http://www.zfg-koeln.de/texte/Newsletter_Januar09.pdf
- Aldinger PR et al. Der zementfreie CLS-Titangeradschaft – Langzeitergebnisse, Indikationen und Limitationen. Akt Traumatol 2005;35:320-327.
- The Swedish Hip Arthroplasty Register: Annual Report 2005. Online publiziert unter: http://www.jru.orthop.gu.se/.


